Die zehn Gebote des Löwenbändigers

Seit 29 Jahren Feldkirchen, seit sechs Jahren Bürgermeister: Werner van der Weck (SPD) hat noch viele politische Visionen. Eine neue Sporthalle und ein Haus für Senioren sind seine wichtigsten Ziele.

Artikel von Markus Hensel, erschienen am 15.02.2014 in der Süddeutschen Zeitung

Als er noch ein Kind war wollte Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) Löwenbändiger werden. „Das war mein Tagtraum, als ich acht Jahre alt war“, sagt der heute 61-jährige. Als kleiner Junge habe er sich gewünsch, groß, stark und mächtig zu sein. Als Bürgermeister hat er nun die Verantwortung für mehr als 6.900 Feldkirchner Bürger, seine jetzigen Aufgaben vergleicht Werner van der Weck mit denen eines Dirigenten. In der Kommunalpolitik brauche man viel diplomatisches Geschik. Alle Menschen müssen sich ernst genommen fühlen, erklärt er. „Ich leite einen vielstimmigen Chor, und jeder einzelne trägt zum Wohlklang bei.“

Seit sechs Jahren ist Werner van der Weck im Amt, sein politischer Werdegang in der Feldkirchner SPD begann 2002. Damals kandidierte er zum ersten Mal für den Gemeinderat, 2003 bekam er dann als Nachrücker einen Sitz. „Wenn man sich erst mit Ende vierzig dafür entscheidet, in die Politik zu gehen, ist das auch ein Zeichen dafür, das man Machtversessenheit nicht die Triebfeder für das eigene Handeln ist“, findet er. Schon lange davor habe er begonnen, sich für andere Menschen einzusetzen. Der Vater von drei erwachsenen Kindern engagierte sich ehrenamtlich im Kindergarten und später im Elternbeirat der Schule, noch heute arbeitet er einmal pro Woche als Schulweghelfer. So versucht Werner van der Weck, die Erdung zu behalten, auch wenn er merkt, dass ihn sein Amt viel Zeit und Kraft kostet. „Ich habe nicht mehr so viel Zeit für Familie und Freunde. Heute wird mein Leben mehr von meinem Terminkalender diktiert“, bedauert er. Einen Ausgleich zur Arbeit findet van der Weck beim Radfahren mit der Familie. Zur Entspannung liest er gerne ein gutes Buch oder geht ins Kino. Rückhalt findet er im christlichen Glauben. „Es ist noch nichts besseres erfunden worden als die zehn Gebote“, sagt er.
Werner van der Weck fühlt sich in seiner Gemeinde heimisch, schließlich lebt er schon seit 29 Jahren mit seiner Frau in Feldkirchen, hier sind seine Kinder groß geworden. Den Ort kennt er schon seit seiner Kindheit. „Ich bin in Englschalking aufgewachsen. Damals bin ich oft mit dem Radl nach Feldkirchen zum Fidschi gefahren“, erinnert er sich. Nach der Schulzeit macht er eine Ausbildung zum Requisiteur, seit 1982 arbeitete er beim Bayerischen Rundfunk. Als er vor sechs Jahren Bürgermeister wurde, sei ihm der Abschied von damaligen Kollegen nicht leicht gefallen: „Ich bedauere, dass ich viele von ihnen heute nicht mehr so oft sehe. Aber zum Glück habe ich hier im Rathaus eine wunderbare Mannschaft“, sagt er.
Seine Arbeit macht Werner van der Weck sichtlich Spaß, deswegen möchte er nicht schon wieder Abschied nehmen, sondern noch mindestens sechs Jahre Bürgermeister bleiben. Schließlich möchte er noch etwas bewegen. Er hat zwei erklärte Herzensanliegen: „Ich will eine Sporthalle bauen und einen Einrichtung für Senioren schaffen.“ Außerdem möchte er eine Lösung für das Verkehrsproblem finden, daher will er den Bau einer Ortsumfahrung im Süden durchsetzen. Außerdem setzt sich van der Weck für die Modernisierung des S-Bahnhofs ein, will das Vereinsleben fördern und innerörtliche Grünflächen erneuern. Sollte es mit der Wiederwahl nicht klappen, hat er noch keinen konkreten Plan B im Kopf, würde aber gerne wieder als Requisiteur arbeiten: „Das Leben geht auf alle Fälle weiter. Ich könnte mir aber gut vorstellen, wieder in meinem früheren Arbeitsplatz zurückzukehren“, betont der Bürgermeister.

 

Bild und Text Süddeutsche Zeitung

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